Info-Abend in Horneburg: Für Wohnprojekte Gleichgesinnte gesucht

Horneburg (kal) – Um eine neue Wohn- und Lebensform, die Altwerden im Kreise vertrauter Menschen ermöglicht, ging es am Freitag in Horneburg. „Gemeinschaftliches Wohnen“ ist eine geplante, intensive Nachbarschaft in eigens dafür gestalteten Häusern, wie die Expertin Doris Tjaden-Jöhren erklärte. Drei Initiativen im Landkreis suchen Gleichgesinnte, die mit ihnen zusammenziehen wollen.

„So will ich nicht alt werden“, dachte Gisela Punke, als eine einsame alte Frau, eine fünffache Mutter, sie um Hilfe bat. Gisela Punke, Frauenbeauftragte und Leiterin des Mehrgenerationenhauses (MGH) in Horneburg, will deshalb ein Wohnprojekt mit etwa zwölf Parteien in Stade aufbauen und hatte zu dem Informationsabend auch aus privatem Interesse eingeladen.

Die Resonanz war groß. Die rund 60 Zuhörerinnen und Zuhörer im MGH erfuhren, dass es nicht um Wohngemeinschaften, wie bei Studenten, geht und auch nicht um Betreutes Wohnen, wie bei Senioren. Vielmehr, so Doris Tjaden-Göhren, schließen sich Menschen zu selbstbestimmten Gemeinschaften zusammen. Sie planen und bauen gemeinsam ihren Wohnraum. Jeder behalte eine abgeschlossene Wohneinheit, aber gegenseitige Hilfe im Alltag gehöre zum Selbstverständnis.

Die Referentin selbst wohnt seit 14 Jahren „In den Laher Höfen“ in Hannover. 50 Bewohner im Alter von 4 bis 84 Jahren, davon zwanzig Kinder, leben in zwölf Häusern, die sich um zwei Innenhöfe gruppieren. „Wir wollen da nie wieder Weg“, ist die 58-jährige begeistert und spricht von dem größten, bezahlbaren Maß an Lebensqualität, tollen Festen und dem Gefühl: „Ich könnte an jede Tür klopfen, wenn es mir schlecht geht.“
Als Sozialwissenschaftlerin begleitet sie Projekte für die „Bundesvereinigung Gemeinschaftliches Wohnen e. V.“ beruflich. „Es gibt alle Variationen“, sagt die Expertin: Alt- oder Neubauten, Miete oder Eigentum, viel oder wenig Gemeinschaftseinrichtungen. Vor allem 50- bis 70-jährige gestalten so nach der Arbeits- und Elternphase ihren neuen Lebensabschnitt.

Der Knackpunkt ist, ob die Leute zusammenpassen. Das stelle sich während der Planungsphase heraus, so Tjaden-Jöhren. In Projektwerkstätten können sich die Bewohner kennen lernen und ein Konzept erarbeiten. Ohne professionelle Moderation würden die Gruppen oft wieder zerfallen, wenn es konkret wird.

Drei Initiativen stellten sich vor: Die Ehepaare Punke (04163 – 868492) und Lohmeyer, alle Mitte Fünfzig, wollen ein Projekt in der Stader Innenstadt gründen. Interessierte treffen sich am Donnerstag, 25. Januar, 20 Uhr im Insel-Restaurant. Im Buxtehuder Brauhaus warten Madeleine Stolper (04161 – 874 64) und Margarete Betz am Freitag, 5. Januar, 18.30 Uhr auf Gleichgesinnte. In Burweg baut Wulf Barthel (0 41 44/13 38) Wohnungen auf seinem Anwesen aus und hat schon drei Parteien zusammen.