Verfasst von Christiane Tauer

Buxtehuder Verein sucht einen Ort, an dem Senioren gemeinsam leben können

Buxtehude – Eines stellt Annegret Cord gleich klar: „Wir suchen keine WG und auch kein betreutes Wohnen.“ Was sich der Verein „Gemeinschaftliches Wohnen in Buxtehude“ wünscht, ist ein Haus, in das acht Senioren einziehen können. Jeder in seine eigenen vier Wände, zwei Ehepaare in je eine Wohnung und vier Einzelpersonen in separate Appartements.

Es soll jedoch einen Gemeinschaftsraum geben, in dem sich die rüstigen Rentner zu Spieleabenden oder zum Reden treffen können, sie wollen gemeinsam kochen, backen oder Gymnastik machen – aber nicht aus Zwang, sondern jeder nur, wenn er möchte. Alle Bewohner sollen selbstbestimmt und eigenverantwortlich leben wie zuvor.

Vor Kurzem hat Annegret Cord das Projekt dem Buxtehuder Stadtentwicklungsausschuss vorgestellt und erklärt, dass der Verein ein Grundstück suche, auf dem das Haus entstehen kann. Von der Politik wurden die Pläne grundsätzlich positiv aufgenommen, als nächstes soll das Thema im Liegenschaftsausschuss behandelt werden.

Projekt wird schon seit zwei Jahren geplant

Annegret Cord und ihre zwei Mitstreiterinnen im Vorstand, Hannelore Bode und Inge Freese, hoffen nun, dass ihr Projekt neuen Auftrieb bekommt. Denn seit der Vereinsgründung vor zwei Jahren steht es immer noch in den Sternen, ob und wann das Haus errichtet werden kann.

Dabei kam Annegret Cord die erste Idee dazu bereits vor sieben Jahren. Damals war sie von Neu Wulmstorf nach Buxtehude gezogen und stellte fest, dass es nirgendwo ein gemeinschaftliches Wohnprojekt gibt. Sie fand die Vorstellung aber immer schon interessant, mit anderen Menschen auch im Alter in stetem Kontakt zu sein, sich gegenseitig auf Trab zu halten oder einfach nur jemanden in der Nähe zu haben, falls mal irgendwann etwas ist. Dabei müssten es gar nicht nur Senioren sein, die in einem solchen Haus leben, findet sie. Auch Jüngere, die nicht alleine wohnen wollen, seien in der Truppe willkommen.

Annegret Cord nahm schließlich Kontakt zum Forum „Gemeinschaftliches Wohnen“ in Hannover auf. Etliche Infoveranstaltungen zu dem Thema folgten,  später blieb am Ende eine Gruppe von 20 bis 25 Interessierten. Sie schauten sich viele andere Wohnprojekte in Hameln, Oldenburg oder Bremerhaven an, informierten sich über die rechtlichen Belange und hielten Ausschau nach geeigneten Grundstücken.

Aus der losen Gruppe von Leuten wurde schließlich der Verein „Gemeinschaftliches Wohnen in Buxtehude“, dem derzeit 15 Mitglieder angehören. „Wir haben gemerkt, dass wir von potenziellen Investoren ernster genommen werden, wenn wir als Verein auftreten“, sagt Annegret Cord. Dennoch mussten die Senioren feststellen, dass sich die Suche nach einem Grundstück schwieriger gestalten sollte als angenommen.

Zunächst sah es so aus, als ob sie mit einer Immobiliengesellschaft aus Nottensdorf fest rechnen konnten, doch dann zerschlug sich das Vorhaben aufgrund der Wirtschafskrise. Auch der Weg über die Buxtehuder Wohnungsbaugenossenschaft sollte sich als nicht aussichtsreich erweisen, da die Genossenschaft dafür extra eine GmbH hätte gründen müssen. „Und dafür sind wir zu klein“, erklärt Bernd Siliaks vom Vorstand.

In Stade wird das gemeinsame Wohnen bereits Realität

Die Senioren hoffen dennoch, dass sie eines Tages ein passendes Grundstück finden. Auch mit einem älteren Haus, das man umbauen könnte, wären sie zufrieden. „Wir wollen auf jeden Fall weiterkämpfen“, gibt sich Hannelore Bode optimistisch. „Schließlich werden wir auch nicht jünger.“ 50 bis 60 Quadratmeter Wohnfläche bräuchten sie pro Wohneinheit. „80 Quadratmeter wären viel zu viel für eine Person“, sagt sie. Auf maximal 10 bis zwölf Wohnungen wollen sie ihre Hausgemeinschaft begrenzen. Anonym werden soll es nicht.

Ganz im Gegenteil, denn der Verein hofft, mit seinen Wohnprojekt auch in die Nachbarschaft hineinzuwirken. Die Senioren könnten sich vorstellen, in der Kinderbetreuung aktiv zu werden oder offene Klön- und Spielenachmittage für alle Interessierten zu organisieren. Mit etwas Wehmut blicken sie dabei nach Stade, wo derzeit eine ähnliche Initiative an der Jahnstraße ein Haus errichtet. 20 Leute ziehen dort Ende des kommenden Jahres in 16 Wohnungen ein, nutzen einen Gemeinschaftsraum und unternehmen auch sonst viel zusammen. Von der Wohnstätte Stade, einer Genossenschaft, hätten sie sofort viel Unterstützung bekommen, erzählt Gisela Punke, die eine der Mit-Initiatoren des Projekts ist. Anders als in Buxtehude ist die Wohnstätte Stade jedoch auch als eine GmbH organisiert.

Entmutigen lassen wollen sich die Buxtehuder Seniorinnen nicht. „Wir müssen eben erfinderisch sein“, sagt Annegret Cord. Sie ist fest davon überzeugt, dass gemeinschaftliche Wohnprojekte in Zukunft noch viel mehr werden. Der Trend zur Vereinsamung – bei Älteren, aber auch bei Jüngeren – nehme zu, und dem müsse man entgegenwirken. Und sowieso: „Wo sollen denn die älteren Menschen in unserer Gesellschaft hin?“, fragt sie. „Die können doch nicht alle ins Heim.“