Mittwochsjournal 28. April 2014

Ü 50-Wohnprojekt sucht Mitbewohner, Unterstützer und Bauplatz

Das erste und bisher einzige gemeinschaftliche Wohnen in Buxtehude wurde 2012 verwirklicht. Jetzt entsteht ein weiteres Wohnprojekt für das Leben im Alter. Konkrete Pläne liegen bereits vor. Die Mitglieder sind aber noch offen für weitere Mitbewohner, die ihren Ruhestand nicht einsam verbringen wollen – und für Unterstützer, die helfen, das Bauprojekt in die Tat umzusetzen.

Annegret Cord auf ihrem Balkon

Stolz zeigt Annegret Cord ihre Zwei-Zimmer-Wohnung im ersten Stock in der Sonnentaustraße 1. „60 Quadratmeter mit sonnigem Balkon, barrierefreiem Bade-Tempel und Fahrstuhl bis vor die Tür, was will man mehr“, schwärmt die 71-Jährige. Insgesamt wohnen in dem Neubau zehn Personen in acht Wohnungen und einer Gemeinschaftswohnung, die für gemeinsame Spielenachmittage, Fernseh-Abende und private Feiern genutzt wird. „Wir sind aber keine WG und auch kein betreutes Wohnen“, betont Annegret Cord, die seit 2006 für ihre neue Wohnform gekämpft hat, bis sie im März 2012 endlich in das nach individuellen Wünschen gebaute Haus einziehen konnte – und sich hier nicht mehr einsam fühlt. Annegret Cord ist absolute Pionierin, denn ein Wohnprojekt dieser Art hatte es bisher in Buxtehude noch nicht gegeben. Um dieses Pilot-Projekt zu realisieren, gründete die Rentnerin mit zwei Mitstreiterinnen 2008 den Verein Gemeinschaftliches Wohnen in Buxtehude e.V., der heute Interessierten hilft, die ebenfalls ein derartiges Wohnprojekt verwirklichen wollen, und stellt für Treffen die Gemeinschaftswohnung in der Sonnentaustraße zur Verfügung.

Als Horst und Ursula Ziemann 2006 von dem geplanten Wohnprojekt in der Sonnentaustraße hörten, waren sie sehr interessiert. „Doch zu dem Zeitpunkt war es für uns noch undenkbar, unser schönes Haus in Elstorf für eine kleinere Wohnung aufzugeben.“ Das 72-Jährige Ehepaar ist jetzt die treibende Kraft für ein weiteres Wohnprojekt für SeniorInnen in Buxtehude und trifft sich regelmäßig mit insgesamt zwanzig Gleichgesinnten der Generation über 50 Jahre in der Gemeinschaftswohnung in der Sonnentaustraße. Zu den Mitgliedern dieser Gruppe gehört auch die 62jährige Jutta Führing, die berufstätig ist und später im Alter zusammen mit den anderen Bewohnern gerne aktiv bleiben möchte. „Viele überlegen zu spät, wie sie im Alter wohnen möchten“, weiß Petra Hering, die sich durch ihre Tätigkeit beim Malteser Hilfsdienst schon früh Gedanken zu diesem Thema gemacht hat. Die 60-Jährige und ihr 58-jähriger Ehemann haben sich daher für das neue gemeinschaftliche Wohnen entschieden. Auch die alleinstehende Julia Salvadori (65) möchte später nicht mehr alleine leben – und engagiert sich wie alle anderen Mitglieder nach Können und Neigungen in der Gruppe, um ihren Wohntraum zu realisieren, für den es bereits konkrete Pläne gibt.

Bei der aktuellen Gruppen-Sitzung erläuterte Architekt Christoph Frenzel, der bereits das Haus in der Sonnentaustraße 1 plante, Baupläne für ein Haus mit Satteldach, individuellen Wohneinheiten von 40 bis 100 Quadratmetern auf einem 1.870 Quadratmeter großen Grundstück in Innenstadtnähe. Einige Details sind noch zu klären. Auch zum Mietpreis kann derzeit noch nichts gesagt werden. Fest steht aber, dass die Wohnungen kein Wohneigentum werden, sondern als Investorenmodell mit Anmietung der Wohnungen durch die Mitglieder finanziert werden soll. Neben den einzelnen Wohnungen sind auch hier eine Gemeinschaftswohnung und Gemeinschaftsaktivitäten für die Bewohner geplant.

Das Neubauprojekt wäre in eineinhalb Jahren bezugsfertig, verkündet der Architekt.

Gemeinschaftliches Wohnen - Gruppe

Sie haben sich für die neue Wohnform im Alter entschieden: (von links): Gudrun Wettern, Loretta Hill, Horst Ziemann, Rüdiger und Petra Hering, Renate Gerlach, Jutta Führing und Julia Salvadori.

Vorerst ist die Wohnprojekt-Gruppe aber noch offen für alle Möglichkeiten, andere Bauplätze und Unterstützer, neue Mitglieder und interessierte Mitbewohner. Bis zur Erfüllung ihrer gemeinsamen Wohnträume ist in der Zwischenzeit das angesagte Ziel der Gruppe, sich bei möglichst vielen anderen Wohnprojekten des gemeinschaftlichen Wohnens im Alter zu informieren. Einen interessanten Ausflug zum Gilde-Carré in Hannover gab es bereits. Als nächstes steht die Fahrt zu einem Wohnprojekt in Bremerhaven an, um hier weitere Informationen zu bekommen – aber auch, um sich schon vor dem gemeinsamen Wohnen besser kennenzulernen, aktiv zu bleiben und nicht einsam zu sein.

Artikel und Bilder Susanne Laudien