Nach tage-, ja wochenlangen schlechten Wetterbedingungen sahen wir unserem geplanten Ausflug in das Kehdinger Moor etwas skeptisch entgegen. Aber am Sonntagmorgen strahlte die Sonne vom blauen Himmel herunter und wir freuten uns auf ein einzigartiges Naturerlebnis im Reich der Wollgräser, Brachvögel und gefährlichen Schwingwiesen.

Wir starteten zu einer ungewohnt frühen Zeit. Die Strecke von Buxtehude bis ins Aschhorner Moor beträgt über 40 km und der Moppel, so wird die Moorkiekerbahn liebevoll genannt, wird pünktlich losfahren. Unsere Augen konnten sich schon auf der Autofahrt an den rosa blühenden Apfelbäumen und den leuchtend gelben Rapsfeldern erfreuen. Endlich entdeckten wir den Abzweiger nach Aschhorn und schon wenig später sichteten wir auch den Wegweiser „Moorkieker“.

Vor uns lag das Torfabbauwerk der Firma Euflor, rechts führte ein kleiner Weg zum „Moorkieker-Bahnhof“. Schon ein typischer Moorweg, weich und elastisch – eine Wohltat für die Füße. Eine umgebaute Lorenbahn auf schmalen Gleisen stand für uns bereit.

Ein Mitarbeiter des Vereins zur Förderung von Naturerlebnissen empfing seine Fahrgäste und dann ging es auch schon los. 4 Kilometer lang ist der Rundkurs der Bahn und dauert 3 Stunden. Ruckelnd setzte sich die Bahn in Bewegung und schon nach kurzer Fahrzeit kam der erste Halt. Wir stiegen aus und erfuhren Interessantes über die Entstehungsgeschichte des Kehdinger Moores.

Es ist ein Hochmoor, das sich vor ca. 4000 Jahren aus einer Vielzahl von verschiedenen Torfmoosen gebildet hat. Vor 200 Jahren begann der Torfabbau für Heizzwecke, auch als Dämm- und Baumaterial wurde Torf benutzt. Das Moor besteht aus verschiedenen Schichten: Humus, Weißtorf und Schwarztorf. Früher wurde das Moor mit dem Spaten gestochen, eine überaus mühselige Arbeit. Zitat: Die erste Generation erntete den Tod, die zweite die Not, die dritte das Brot“. Heute wird das Moor renaturiert, das heißt wieder vernässt.

Weiter ging unsere Fahrt durch das Moor. Weiße Wollgrasbüschel, Binsen, Birken prägen das Bild der Landschaft. Möwen, Gänse, Kraniche und Enten beleben die Wasserflächen und brüten im Bereich der Birken und Gräser. Der Kuckuck lebt hier, Insekten fressender Sonnentau, Libellen, Schmetterlinge haben sich angesiedelt. Auch Marderhund, Füchse und Wildschweine sowie neuerdings der Wolf haben hier Quartier genommen.

Wir stiegen viele Male aus und konnten dank der Bohlenwege trockenen Fußes ungefährdet weitergehen. Ein Fehltritt wäre auch nicht zu empfehlen, das Moor ist stellenweise 5 Meter tief und ständig in Bewegung. Kurz vor Beendigung der Rundfahrt durften wir noch auf den Aussichtsturm steigen, ein faszinierender Blick über die Moorlandschaft wird mir in Erinnerung bleiben.

Ein herzlicher Dank geht an den „Verein Förderung von Naturerlebnissen“, der es durch seine ehrenamtlichen Mitarbeiter ermöglicht, diese Kulturlandschaft zugänglich zu machen.

Text: Annegret Cord

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